Ausgangspunkt des Beitrags ist die grose Gruppe von romischen Skulpturen, die ein griechisches Original im Grosen und Ganzen getreu wiedergeben, es aber inhaltlich abwandeln, die sog. Umdeutungen. Wie weit der Spielraum reicht, der sich den Bildhauern bei diesem ambivalenten Umgang mit Statuen klassischer und hellenistischer Zeit bot, veranschaulichen einige Extremfalle, in denen nicht nur die Attribute und die Bekleidung des Originals verandert, sondern sogar das Genus transformiert worden ist. Zu solchen Schopfungen kam es offenbar dann, wenn Bildhauer mit der Aufgabe konfrontiert waren, Statuen anzufertigen, fur deren Kreation das einschlagige Repertoire an Abgussen griechischer Originale nichts Passendes parat hielt, etwa eine weibliche Figur aus dem Gefolge des Bacchus oder ein Hirtenmadchen. Durch die Orientierung an einer im weitesten Sinn ›klassischen‹ Form war es moglich, beim Kaufer den Eindruck zu erwecken, dass eine Statue trotz ungewohnlichen Sujets auf einem Vorbild aus der Blutezeit der griechischen Kunst fust. – Die Besprechung der Spezial-Umdeutungen bietet auserdem die Gelegenheit, die Uberlieferung zweier auserst beliebter statuarischer Typen des Dionysos vorzufuhren, die in der Forschung so gut wie unbekannt geblieben sind. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf die Transformation des Genus bei Statuen in sekundaren Zusammenhangen, also in der Spat- und in der Nachantike.
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