- Book Chapter
- 10.1515/9783839469811-034
»Bedenken statt Gedenken.«
- Dec 31, 2024
- Stephanie Willeke
Historisierungsprozessen sind zwei Logiken eingeschrieben, die mit den Begriffen Differenz und Verbindung beschrieben werden können. Auf der einen Seite liegt hier die Annahme einer basalen Differenz der Zeitebenen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zugrunde 1 : Das Vergangene ist nicht mehr erlebbar, nicht mehr unmittelbar wahrnehmbar und erklärungsbedürftig, die Vergangenheit hat die »Qualität einer differenten Zeit« 2 . Damit setzt Differenz stets eine Relation voraus, womit auch die andere Logik, die Verbindung, angesprochen ist. Jörn Rüsen hält dazu fest: Geschichte ist also nicht bloß Vergangenheit, sondern ein Verhältnis der Vergangenheit zu einer anderen Zeit, im Prinzip (wenn auch oft nur vermittelt) zur Gegenwart, in dem sie als Vergangenheit abständig und in dieser Abständigkeit zugleich mit einem Bedeutungskoeffizienten auf Gegenwart bezogen wird. 3 Historisierungsprozesse vollziehen sich entsprechend in der Gegenwart, werden von ihr beeinflusst und finden ihren Ausdruck nicht nur in Spezialdiskursen, sondern auch in unterschiedlichen medialen Manifestationen, in denen Vergangenes vergegenwärtigt und gedeutet wird.
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