Bauer und freier Journalist, ist am 19. März 2003 in seinem hohenlohischen Heimatort Eckartshausen bei Ilshofen im Alter von 75 Jahren gestorben. Sein reger Geist begeisterte schon den Volksschüler für Schiller, später war Bertolt Brecht sein Vorbild, in letzter Zeit las er viel in den Schriften von Walter Benjamin, Alexander Kluge und Oskar Negt. Zum Lesen kam bei dem Landwirt, der den Hof seines Vaters übernommen hatte, ein eigenständiges Nachdenken über die Grundlagen seines Berufsstandes, ein bohrendes, der Aufklärung verhaftetes Eindringen in die Probleme der Gesellschaft und ein erstaunliches Einfühlen in künstlerische Welten. Mit Vorliebe rezensierte er für die Tageszeitungen der Region Theateraufführungen und besprach Kunstausstellungen, schrieb für das «Landwirtschaftliche Wochenblatt» und auch für diese Zeitschrift, so über den Hohenloher Weihnachtsbrauch der Rollesel und die Gaggstatter Jugendstilkirche von Theodor Fischer. Bis zu seinem Tod war Hans Roth auch Mitglied des Ilshofer Gemeinderats. Am 7. Mai 1991 wurde in Gaggstatt die renovierte Pfarrscheuer eingeweiht. Dazu hatte Pfarrer Willi Mönikheim, heute der Leiter der Evangelischen Heimvolkshochschule Hohebuch bei Waldenburg, einige Persönlichkeiten zu einer Diskussionsrunde über die Probleme im ländlichen Raum eingeladen. Auch den damals noch aktiven Bauern Hans Roth, der seine Vision vortragen sollte. Hier der Wortlaut seines Beitrags. Meine Vision des ländlichen Raums. Als mich Pfarrer Willi Mönikheim fragte, ob ich dazu eine Viertelstunde lang etwas sagen würde, musste ich lachen, nachdem ich den Hörer aufgelegt hatte: Eine Vision kann ein paar Sekunden dauern oder ein Leben lang anhalten. Fünfzehn Minuten sind dafür geplant. Der zweite Grund meiner Erheiterung liegt im Titel selbst. Die Überschrift tritt zu sich selbst in Konkurrenz. Wenn ich Vision höre, fällt mir die Apokalypse des Johannes ein, vielleicht noch die Schau des Moses ins verheißene Land. Höre ich «ländlicher Raum», sehe ich einen Bürgermeister mit Maßstablineal und Flurkarte hantieren. Zwei konkurrierende Begriffe also. Konkurrenz belebt das Geschäft, sagt man. Das Geschäft belebt sie schon, aber was sonst? Hegel hat gesagt, sie, die Konkurrenz, sei auf den Tod des Anderen aus. Gemeint ist, dass unter den jeweils gegebenen Umständen -«Rahmenbedingungen» -der Stärkere siegt. Wenn ich, und ich soll ja von mir reden, die Bezeichnung ländlicher Raum höre, wird mir schlecht, -und das ist kein guter Zustand für Visionen. Vision heißt Schau, man hält oder kriegt sie, wenn das Denken, rationale Überlegungen, verdrängt sind und einer in eine prophetische Zusammenschau eintritt, vielleicht in eine totale Wunschvorstellung. Verzweiflung vielleicht, sicher eine tief gehende, bewusste Unzufriedenheit in der gegebenen Situation, ist die Grundlage von Visionen, die, wie man hört, ein Glücksgefühl verströmen. Allerdings nicht sättigen, vor allem nicht die geweckten Bedürfnisse: Den gesicherten Arbeitsplatz in Wohnortnähe, den mit dem Ballungsraum Stuttgart vergleichbaren Lohn, die Einkaufsmöglichkeit zu Discountpreisen, das Auto für jedes Familienmitglied plus einem Reservefahrzeugein Auto könnte ja mal nicht anspringen, und was dann? -und die dafür notwendigen Straßen, und vor allem das Eigenheim. Das aber steht nie im ländlichen Raum, der Besitzer wohnt auf dem Land, das ist seine kleine Vision. Lebensqualität auf dem Land ist ein Kostenfaktortrotz Industrie ein «Biofilter der Industriegesellschaft» Wenn wir den ländlichen Raum betrachten, stehen wir also vor Planungsaufgaben. Meist sind es Planungsaufgaben, die aus erfüllten Planungszielen resultieren. Als erstes waren die Schulen dran. Kaum waren neue gebaut, wurden die Schüler in Schul-Hans Roth, Bauer und. freier Journalist.
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