• https://doi.org/10.14361/9783839441459-fmCopy DOI Icon

Frontmatter

  • Apr 10, 2019
  • Mohamed Wa Baile +4 more
Show More
  • Abstract
  • Literature Map
  • References
  • Similar Papers
Abstract

»Wir haben kein ›Racial Profiling‹-Problem«, behauptet Max Hofmann vom Verband Schweizerischer Polizeibeamter in einem Interview mit dem offentlich-rechtlichen Schweizer Radiosender SRF. Denn die Polizei kontrolliere keinesfalls einzelne Personen oder Gruppen aufgrund deren Hautfarbe. Solche und ahnliche Behauptungen ausern zahlreiche Vertreter* innen der Polizei, aber auch der Politik - nicht nur in der Schweiz.1 Problematisch daran ist nicht nur die Behauptung selbst, sondern auch, dass solche Aussagen noch immer die offentliche Auseinandersetzung um Racial Profiling dominieren und damit sowohl eine langst uberfallige Debatte als auch notwendige Sanktionen gegen rassistische Polizeipraktiken weitgehend blockieren.2 Diese Form der Bagatellisierung aber hat System: Mittels Abwehr und Verdrangung wird nicht nur jegliche Verantwortung zuruckgewiesen, sondern zudem die Benennung diskriminierender Praktiken verunmoglicht. Rassismus und Polizei werden als undenkbare Verbindung begriffen und damit wird verhindert, Praktiken der Polizeikorps als strukturell rassistisch identifizieren zu konnen. Eine zentrale Einsicht gesellschaftskritischer Ansatze der Rassismusforschung besteht aber darin, dass sich Rassismus sowohl durch intentional oder unbewusst agierende Individuen artikuliert, als auch in vielfaltiger Weise durch institutionelle Prozesse, in gesellschaftlichen Strukturen und in allgemeinen Werten und Normen wirkt. Solche als institutionell, strukturell oder auch systemisch bezeichnete Rassismen finden alltaglich statt, werden aber oft nicht direkt sichtbar, weil sie nicht als hate speech, Beleidigungen oder Ausschlusse daherkommen, sondern sich in den als normal geltenden Entscheidungen und Handlungen gesellschaftlicher Institutionen verstecken.3 In gewisser Weise liegt dem Rassismus eine »Banalitat« inne, schreibt Mark Terkessidis4 in Anlehnung an Hannah Arendt, um die Verwobenheit von Rassismus in die alltaglichen Funktionsmodi von Gesellschaft zu bezeichnen. Racial Profiling stellt in diesem Sinne eine Praxis dar, die sowohl bei der Polizei als auch in der Mehrheitsgesellschaft uberwiegend als »normale« Polizeikontrolle angesehen wird, wahrend sie bei den immer wieder Kontrollierten immens negative Wirkungen hervorruft.

Cactus Communications logo

Copyright 2026 Cactus Communications. All rights reserved.