• https://doi.org/10.1515/9783839466469-004Copy DOI Icon

Viele Pferde und ein Schloss

  • Dec 31, 2023
  • Ruppe Koselleck
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Abstract

Im Garten. Auf dem Boden. Da lag es -defekt und verdreckt, rot korrodiert und frei von Funktion -irgendwo im Gestrüpp an der Hecke, die sich rund um unser Haus in Stieghorst zog: das Schloss. Hier lebten wir zur Miete am Rande von Bielefeld in einem Viertel zwischen Vertriebenen und Einwanderern, zwischen ostwestfälischer Urbevölkerung und den Zugezogenen, zwischen Schafen und den Kaninchen, zwischen altem Klinker und den Reihenhäusern neben den Blöcken der »Freien Scholle«, dem Ententeich nicht weit des praktisch konzipierten Einkaufszentrums, wo sich die Post, wie der Supermarkt, die Sparkasse, einige Arztpraxen, die Lottobude, der Frisör und die Eisdiele rund um die saisonale Geranienbepflanzung in den Muschelbetonblumenkübeln gruppierten. Zurück zum Schloss. Es lag einfach so da zwischen dem abgebrochenen Holunderast und dem vertrockneten Rhododendron -und wurde zum Fund des Tages. Ein Stück Müll, das irgendjemand von außen einfach so in den Garten geworfenen hatte. Wie das Butterbrotpapier, die Kippen oder der kleine Underberg, der als magenbittere Zündkerze Passanten am Glühen hielt, wenn sie von der Schicht aus der Fabrikhalle zurück nach Hause gingen. All das sammelten wir gemeinsam auf. Und wäre da nicht ein Nagel über der Mülltonne in die Hauswand geschlagen gewesen, dann hätte mein Vater das Schloss sicherlich wie all den anderen Kram auch in die Tonne geworfen. Nur so hing es jetzt da -das aufgebrochene, rostige und nutzlose Vorhängeschloss an der Außenwand der Villa in Stieghorst. Als Fundstück des Tages und sein eigenes Teekesselchen. Ein ungeheurer Assoziationsraum, der als ein kriminologischer Verweis auf gestohlene oder geraubte Dinge begann, beim Wortwitz pausieren konnte und irgendwo bei Kafka noch lange nicht zu Ende war. Diese wöchentlichen (täglichen?) Spaziergänge mit meinem Vater durch das Waldstück um unser Haus dehnten sich -so bilde ich es mir heute ein -immer dann immer weiter aus, wenn sich mein Vater als Schreibtischflüchtling zum »Aufräumen« in den Park begab und die Schreibmaschine sowie das Papier mied, auf dem sich die ungeschriebenen Gedanken nicht abbilden wollten. Je tiefer der

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