- Research Article
- 10.1055/a-2804-4055
Sportkardiologie in Deutschland und Europa: inhaltliche und strukturelle Aspekte
- Apr 01, 2026
- Aktuelle Kardiologie
- Timm Bauer + 2 more +2
Zusammenfassung Die Sportkardiologie ist eine Subspezialisierung, die sich innerhalb der letzten 10 Jahre in Deutschland entwickelt hat. Ursprünglich befasste sich die deutsche Sportmedizin mit den physiologischen Adaptationen im Sinne eines „Sportherzens“ in der Differenzierung von pathologischen Veränderungen. Die systematische Untersuchung im Breiten- und Leistungssport mittels EKG und bei Pathologien echokardiografischer Diagnostik wurde insbesondere von italienischen Forschern umgesetzt und führte zu Normwerten für das Sport- oder Athletenherz. Spezifisch konnte in Venetien, mit einer hohen Prävalenz der genetischen arrhythmogenen Kardiomyopathie, die Inzidenz des plötzlichen Herztods im Sport durch EKG-Reihenuntersuchungen reduziert werden. Ergänzt wurde dies durch moderne Bildgebung (z. B. Kardio-MRT) und große Kohortenstudien, die sowohl die Vorteile regelmäßiger Bewegung als auch mögliche Risiken exzessiver Trainingsumfänge identifizierten. International waren die ESC-Leitlinien zur Sportkardiologie im Jahr 2021 und die Etablierung der präventiv-kardiologischen Leitlinien auf europäischer Ebene ein entscheidender Schritt zur Anerkennung der Sportkardiologie als eigenständige Subspezialität. In Deutschland nimmt die Arbeitsgruppe Sportkardiologie (AG32) der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) eine Schlüsselrolle ein: Sie vernetzt Kardiologie und Sportmedizin, initiiert Register und Leitlinien, fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs und organisiert regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen. Zentrales Element ist das dreistufige Curriculum Sportkardiologie, das – in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) und orientiert an europäischen Empfehlungen – eine strukturierte Zusatzqualifikation für Kardiologinnen und Kardiologen bietet. Unterstützt wird dies durch Fortbildungsveranstaltungen des Bundesverbands Niedergelassener Kardiologen (BNK). Mit stetig wachsender Mitgliederzahl, zunehmender Zahl zertifizierter Ausbildungsstätten und der laufenden Aktualisierung des Curriculums ist die Sportkardiologie in Deutschland hervorragend aufgestellt, um die Versorgung von Herzpatienten und Athleten vor dem Hintergrund einer alternden, aber zunehmend aktiven Bevölkerung sowie neuer Technologien wie Wearables und KI-gestützter Analytik weiter zu verbessern.
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