Methodische Quantifizierung der Bereitstellungskosten flexibler Systemkomponenten im deutschen Stromsystem
In diesem Beitrag werden die Bereitstellungskosten flexibler Systemkomponenten im deutschen Stromsystem analysiert, zu deren Quantifizierung eine einheitliche Methodik entwickelt wird. Dabei ist das Ziel des Beitrags, zeitlich differenzierte Kostenpotenzialkurven fur die Jahre 2015 und 2030 zu erarbeiten, anhand derer die energiespezifischen Kosten der markt- und systemdienlichen Flexibilitatsbereitstellung verglichen und die einzelnen Flexibilitatsoptionen in einen Gesamtkontext eingeordnet werden konnen. Der Einsatz flexibler Systemkomponenten wird hierzu in die drei Hauptphasen (1) Vorhaltung, (2) Abruf und (3) Einsatzfolgen unterteilt, woraus sich drei kongruente Kostengruppen ableiten lassen, nach denen die einzelnen Kostenbestandteile identifiziert und als Ergebnis die Bereitstellungskosten quantifiziert werden. Neben fossil-thermischen Kraftwerken werden dabei bspw. die Kraft-Warme-Kopplung, Biogasanlagen, Pumpspeicher- und Laufwasserkraftwerke sowie steuerbare Lasten untersucht. Zur anschliesenden Abbildung der teils negativen Bereitstellungskosten wird die herkommliche Darstellungsform der Merit Order entlang der Ordinate um die Abbildung negative Werte erweitert und die Abszisse fur die Abbildung negativer Flexibilitat in umgekehrter Reihenfolge angeordnet. Das Ergebnis sind zwei zusammenhangende Graphen, mittels derer sich die Bereitstellungskosten verschiedener Flexibilitatsoptionen gegenuberstellen und anschaulich vergleichen lassen. Durch die Festlegung eines Rahmenszenarios zur Entwicklung des deutschen Stromsystems bis zum Jahr 2030 wird anschliesend auch die zukunftige Perspektive der Flexibilitatsbereitstellung in Deutschland analysiert. Aus den Ergebnissen lasst sich ableiten, dass der deutsche Kraftwerkspark mit einem fortschreitenden Ruckbau der Kohlekraftwerke nur dann zunehmend flexibler wird und auf hohere Schwankungen im Stromnetz reagieren kann, wenn von einem gleichzeitigen Zubau moderner erdgasbetriebener Kraftwerke ausgegangen wird. In diesem Fall steigen die Bereitstellungskosten positiver Flexibilitat, was sich beispielsweise durch zukunftig steigende Brennstoffpreise bergrunden lasst. Jedoch kann bspw. durch die Transformation der Kraft-Warme-Kopplung hin zu einer grundsatzlich stromgefuhrten Fahrweise zukunftig eine vergleichsweise kostengunstige Flexibilitatsbereitstellung erschlossen und somit auch ein gleichbleibendes oder oftmals sogar hoheres Flexibilitatsniveau am Markt erreicht werden.
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