- Book Chapter
- 10.1515/9783110990379-006
Fall 6 Flucht aus der Ukraine
- Mar 06, 2023
- Rhea Nachtigall
Aufgrund des Krieges in der Ukraine fliehen Roksana, ihre Lebensgefährtin Natalia und ihre beiden Kinder Andriy (acht Jahre alt) und Ana (zwölf Jahre alt) sowie ihr Neffe Bohdan (16 Jahre alt) Ende Oktober 2022 über Polen nach Deutschland, wo sie Anfang November an der Grenze erkennungsdienstlich behandelt werden. In Kiel angekommen, sucht Roksana am 6.11.2022 eure Beratungsstelle auf. Roksana hat die ukrainische Staatsangehörigkeit; Natalia und die gemeinsamen Kinder jedoch die russische Staatsangehörigkeit. Sie haben als Familie zusammen im Südosten der Ukraine gelebt. Ihr Neffe, der Sohn der Schwester von Natalia, ist ebenfalls russischer Staatsangehöriger. Seit dessen Eltern infolge der Annexion der Krim ums Leben gekommen sind, lebt er bei Roksana und Natalia. Roksana berichtet, dass sie vor Ort bei Freund*innen unterkommen konnten, aber dringend medizinische Versorgung für ihre Tochter Ana benötigen. Ana ist an Diabetes (Typ 1) erkrankt. Aufgrund des emotionalen Stresses während der Flucht hat sich ihr Diabetes verschlimmert, sodass sie dringend eine neue Insulin-Einstellung benötigt. Außerdem ist die Familie auf finanzielle Unterstützung angewiesen, weil sie die in der Ukraine noch schnell abgehobenen Hrywnja in Deutschland nicht umtauschen können und sich dieser Geldbetrag ohnehin in Grenzen hält (umgerechnet rund 4000 Euro). Sie fragt, ob es auch möglich sei, dass die Freund*innen für die Aufnahme der Familie in ihrem Haus vom Staat finanziell kompensiert würden. Gerne möchten Roksana und Natalia so schnell wie möglich in Deutschland wieder arbeiten. In der Ukraine hätten sie gemeinsam einen gut laufenden Elektronikfachhandel betrieben und würden einen solchen gerne auch in Kiel eröffnen, sobald sie sich etwas eingelebt hätten. Abschließend will Roksana wissen, was sie jetzt am besten tun sollen und an welche Behörde sie sich wenden können, insbesondere ob sie einen Asylantrag stellen müssen. Sie haben gehört, dass ukrainische Staatsangehörige in der EU jetzt erst
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